Zum Inhalt springen
GASTROTRUCK

Genehmigungen: was du brauchst, bevor du öffnest

Reisegewerbekarte, Gestattung, Sondernutzung, Standplatz – welches Papier wofür gilt und in welcher Reihenfolge du vorgehst.

13 Minuten Lesezeit

Es gibt nicht die eine Foodtruck-Genehmigung. Stattdessen greifen mehrere Vorschriften ineinander, und einiges wird kommunal geregelt – was in Köln gilt, gilt in Konstanz womöglich anders. Diese Übersicht ordnet, welches Papier wofür da ist.

Die Reihenfolge

  1. Gewerbe anmelden
  2. Reisegewerbekarte beantragen, falls nötig
  3. Belehrung nach § 43 IfSG beim Gesundheitsamt
  4. Betrieb beim Lebensmittelüberwachungsamt registrieren
  5. Standplatz sichern – je nach Ort mit eigener Erlaubnis
  6. Gestattung besorgen, wenn Alkohol ausgeschenkt wird

Die Punkte 1 bis 4 gelten überall gleich. Ab Punkt 5 wird es örtlich.

Gewerbeanmeldung

Der einfachste Schritt. Beim Gewerbeamt der Gemeinde, in der du wohnst beziehungsweise dein Betrieb sitzt. Kostet je nach Kommune zwischen 20 und 60 Euro. Das Amt informiert Finanzamt, IHK und Berufsgenossenschaft automatisch.

Zuständig ist übrigens die Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe (BGN). Die Mitgliedschaft ist Pflicht, auch ohne Angestellte.

Reisegewerbekarte nach § 55 GewO

Der am häufigsten missverstandene Punkt. Eine Reisegewerbekarte brauchst du, wenn du ohne vorherige Bestellung außerhalb einer festen Betriebsstätte Waren verkaufst – also klassisch am Straßenrand, auf wechselnden Plätzen, spontan.

Nicht nötig ist sie in der Regel:

  • auf Messen, Märkten und Volksfesten, die nach § 69 GewO festgesetzt sind,
  • bei Veranstaltungen, zu denen du gebucht wirst (Catering auf Bestellung),
  • wenn du an einem festen, dauerhaft angemieteten Platz stehst.

Beantragt wird sie beim Ordnungsamt. Du brauchst ein polizeiliches Führungszeugnis und eine Auskunft aus dem Gewerbezentralregister. Kosten: meist zwischen 200 und 400 Euro, Bearbeitung mehrere Wochen. Beantrage sie früh.

Im Zweifel beantragen. Die Karte gilt bundesweit und unbefristet. Wer sie hat, muss nie diskutieren. Wer sie braucht und nicht hat, begeht eine Ordnungswidrigkeit – Bußgelder bis 5.000 Euro sind möglich.

Belehrung nach § 43 Infektionsschutzgesetz

Bevor du das erste Mal mit offenen Lebensmitteln arbeitest, brauchst du eine Belehrung durch das Gesundheitsamt oder einen beauftragten Arzt. Sie dauert etwa eine Stunde, kostet meist 20 bis 40 Euro und gilt unbefristet – aber nur, wenn du innerhalb von drei Monaten danach die Tätigkeit aufnimmst.

Wichtig: Das gilt für jede Person, die im Truck mit Lebensmitteln umgeht, auch für Aushilfen. Als Arbeitgeber musst du zusätzlich jährlich selbst belehren und das dokumentieren.

Registrierung beim Lebensmittelüberwachungsamt

Nach Art. 6 der VO (EG) Nr. 852/2004 musst du deinen Betrieb bei der zuständigen Behörde anmelden – in der Regel das Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt des Landkreises. Die Anmeldung ist meist kostenlos.

Danach wirst du in den Kontrollturnus aufgenommen. Rechne mit einer Erstkontrolle in den ersten Monaten. Was dabei geprüft wird, steht im Beitrag zu Hygiene und HACCP.

Der Standplatz

Hier entscheidet sich, ob das Geschäft läuft – und hier ist die Rechtslage am unübersichtlichsten.

Öffentlicher Grund

Für den Verkauf auf öffentlichen Flächen brauchst du eine Sondernutzungserlaubnis der Gemeinde. Sie ist orts- und zeitgebunden, kostet je nach Lage zwischen 20 und mehreren hundert Euro pro Tag, und in beliebten Innenstadtlagen gibt es oft Wartelisten oder gar keine Vergabe mehr.

Privatgrund

Auf einem Firmenparkplatz, einem Betriebshof oder einem Supermarktgelände brauchst du nur die Zustimmung des Eigentümers. Das ist der pragmatischste Einstieg: Gewerbegebiete mit vielen Beschäftigten und wenig Mittagsangebot sind für Foodtrucks oft lohnender als die Fußgängerzone.

Märkte und Volksfeste

Festgesetzte Veranstaltungen nach § 69 GewO haben eigene Vergaberegeln. Bewerbungen laufen häufig ein halbes bis ganzes Jahr vorher. Der Vorteil: Die Genehmigungslage übernimmt der Veranstalter, du brauchst keine eigene Sondernutzung.

Alkoholausschank

Für den Ausschank alkoholischer Getränke bei vorübergehenden Anlässen brauchst du eine Gestattung nach § 12 Gaststättengesetz. Sie wird für die einzelne Veranstaltung erteilt, ist vergleichsweise unkompliziert und kostet meist zwischen 25 und 100 Euro. Ohne Alkohol brauchst du sie nicht.

Was gern vergessen wird

Kasse und Belegpflicht

Elektronische Kassensysteme brauchen seit 2020 eine zertifizierte technische Sicherheitseinrichtung (TSE). Außerdem gilt die Belegausgabepflicht: Jeder Kunde muss einen Beleg bekommen – ob er ihn mitnimmt, ist seine Sache. Eine offene Ladenkasse ist weiterhin zulässig, verlangt aber lückenlose Aufzeichnungen.

Verpackungen

Wer Verpackungen an Endverbraucher abgibt, muss sich im Verpackungsregister LUCID registrieren und einem dualen System anschließen. Zusätzlich gilt seit 2024 der Einwegkunststofffonds: Wer Einwegkunststoff-Verpackungen in Verkehr bringt, registriert sich beim Umweltbundesamt und zahlt eine Abgabe.

Und seit Anfang 2023 besteht für Betriebe mit mehr als fünf Beschäftigten und über 80 Quadratmetern Fläche eine Mehrwegangebotspflicht. Kleine Foodtrucks fallen meist nicht darunter, müssen dann aber erlauben, dass Kunden eigene Behälter mitbringen.

Allergene

Bei loser Ware musst du über die 14 kennzeichnungspflichtigen Allergene informieren – schriftlich oder mündlich mit schriftlichem Hinweis darauf, dass Auskunft erteilt wird. Eine Kladde am Tresen reicht, aber sie muss vorhanden und aktuell sein.

Waage

Wer nach Gewicht verkauft, braucht eine geeichte Waage. Die Eichung gilt zwei Jahre.

Vor der ersten Fahrt klären: Ruf beim Ordnungsamt und beim Lebensmittelüberwachungsamt deines Landkreises an und schildere dein Vorhaben. Die Ämter geben in der Regel bereitwillig Auskunft, und eine Nachfrage vorher ist billiger als eine Untersagung mitten in der Saison.

Keine Rechtsberatung. Dieser Beitrag gibt den Stand nach bestem Wissen wieder und ersetzt keine Auskunft von Behörde, Anwalt oder Steuerberater. Vieles wird kommunal geregelt und unterscheidet sich von Stadt zu Stadt – frag im Zweifel beim zuständigen Amt nach, bevor du dich festlegst.

Auf der Suche nach dem passenden Fahrzeug?

Foodtrucks, Foodtrailer und Equipment – mit Umkreissuche und Fachfiltern.

Angebote ansehen