Die meisten Fehlkäufe entstehen nicht, weil jemand zu wenig Geld ausgibt, sondern weil er die falschen Fragen stellt. „Wie viele Kilometer?“ ist bei einem Foodtruck deutlich weniger wichtig als „Wann war die Gasanlage zuletzt geprüft?“ oder „Wie viel Zuladung bleibt mir eigentlich noch?“.
Truck, Trailer oder Anhänger?
Die erste Entscheidung ist die grundsätzlichste, und sie lässt sich später nur mit Verlust korrigieren.
| Foodtruck | Foodtrailer | |
|---|---|---|
| Aufbau | Küche fest im Fahrzeug | Anhänger, wird gezogen |
| Anschaffung | höher, Fahrzeug inklusive | günstiger, Zugfahrzeug kommt dazu |
| Führerschein | B bis 3,5 t, darüber C1 | BE oder B96, je nach Gewicht |
| Standzeit | Fahrzeug steht mit | Zugfahrzeug bleibt frei nutzbar |
| Rangieren | einfach | Übung nötig, enge Plätze sind heikel |
| Fläche | begrenzt durch das Fahrzeug | bei gleichem Budget meist mehr |
Grobe Regel: Wer viele verschiedene Standorte anfährt und flexibel sein will, ist mit einem Truck besser dran. Wer überwiegend auf Märkten und Festivals steht und das Zugfahrzeug tagsüber anderweitig braucht, fährt mit einem Trailer günstiger.
Häufig übersehen: Ein Anhänger braucht einen Abstellplatz. In vielen Städten darf ein Anhänger ohne Zugfahrzeug nicht länger als zwei Wochen am Straßenrand stehen (§ 12 Abs. 3b StVO). Kläre das, bevor du kaufst.
Neu, gebraucht oder selbst ausbauen?
Neu vom Ausbauer
Der teuerste, aber planbarste Weg. Du bekommst ein Fahrzeug nach deinen Vorstellungen, mit Gewährleistung, aktueller Gasprüfung und Dokumentation. Die Lieferzeit liegt je nach Betrieb bei drei bis neun Monaten – wer im Frühjahr starten will, bestellt im Herbst.
Rechne bei einem schlüsselfertigen Neufahrzeug je nach Ausstattung mit etwa 60.000 bis 150.000 Euro. Nach oben ist wenig Grenze; ein aufwendig ausgebauter Oldtimer kann das Doppelte kosten.
Gebraucht
Der übliche Weg für den Einstieg. Zwischen 25.000 und 70.000 Euro bekommst du in aller Regel ein einsatzbereites Fahrzeug. Der Haken: Du übernimmst Entscheidungen, die jemand anders für seinen Betrieb getroffen hat. Ein Truck, der für Pizza gebaut wurde, ist für Burger nur bedingt zu gebrauchen – der Ofen sitzt an der falschen Stelle, die Abluft ist auf den Ofen ausgelegt, die Kühlung zu klein.
Was du bei der Besichtigung prüfst, steht ausführlich in der Checkliste zum Gebrauchtkauf.
Selbst ausbauen
Auf dem Papier der günstigste Weg, in der Praxis der mit den meisten Fallstricken. Ein Kastenwagen für 15.000 Euro plus Ausbau klingt verlockend, aber:
- Die Flüssiggasanlage darf nur ein Fachbetrieb einbauen und muss nach DVGW-Arbeitsblatt G 607 geprüft werden.
- Elektrik im gewerblichen Einsatz braucht eine Prüfung nach DGUV Vorschrift 3.
- Der Umbau ist meist eintragungspflichtig; ohne Abnahme erlischt im Zweifel die Betriebserlaubnis.
- Oberflächen müssen glatt, fugenlos und abwaschbar sein – Küchenarbeitsplatten aus dem Baumarkt fallen bei der Kontrolle durch.
Wer handwerklich fit ist und die genannten Arbeiten vergibt, spart trotzdem spürbar. Wer alles selbst machen will, zahlt am Ende oft drauf – spätestens, wenn nachgebessert werden muss.
Das Basisfahrzeug
Bei gebrauchten Trucks laufen die meisten Aufbauten auf denselben Fahrgestellen: Mercedes Sprinter, VW Crafter, Fiat Ducato, Iveco Daily, Citroën Jumper. Für die Kaufentscheidung zählen drei Dinge.
Zulässiges Gesamtgewicht
Der wichtigste Wert überhaupt. Steht dort 3.500 kg und wiegt das leere Fahrzeug 3.100 kg, bleiben 400 kg für Wasser, Gas, Ware, Geschirr und dich selbst. Das reicht nicht. Mehr dazu unter Führerschein und Gewicht.
Motor und Abgasnorm
Achte auf die Abgasnorm, nicht nur auf das Baujahr. Viele Innenstädte haben Umweltzonen; ein Fahrzeug ohne grüne Plakette schließt dir Standorte aus, an denen Geld verdient wird. Bei Euro 5 gegenüber Euro 6 lohnt der Preisunterschied selten, wenn dir dadurch eine Großstadt verschlossen bleibt.
Laufleistung
Ein Foodtruck fährt wenig und steht viel. 150.000 km sind bei einem Transporter kein Argument gegen den Kauf – Standschäden, Rost und eine vergammelte Gasanlage schon. Betriebsstunden des Generators sagen oft mehr aus als der Kilometerstand.
Die Küche
Plane rückwärts: vom Gericht zur Ausstattung, nicht umgekehrt. Wer Burger macht, braucht Grillfläche und Fritteuse. Wer Kaffee verkauft, braucht Strom und eine Maschine, die auch bei 200 Tassen am Tag nicht einbricht.
- Arbeitsfläche ist der meistunterschätzte Posten. Zwei Personen brauchen mehr Platz, als in den Fotos je aussieht.
- Kühlung großzügig planen. Nachrüsten ist teuer, weil Strom und Platz fehlen.
- Abluft muss zur Hitzequelle passen. Eine zu schwache Haube macht das Arbeiten im Sommer unerträglich.
- Frisch- und Abwasser: Als Faustzahl gelten 100 bis 120 Liter für einen normalen Verkaufstag. Der Abwassertank muss mindestens so groß sein wie der Frischwassertank.
- Handwaschbecken mit Warmwasser ist Pflicht, getrennt vom Spülbecken.
Papiere, die beim Kauf dabei sein müssen
- Zulassungsbescheinigung Teil I und II
- Gültige Hauptuntersuchung
- Gasprüfbescheinigung nach G 607, nicht älter als zwei Jahre
- Prüfprotokoll der elektrischen Anlage (DGUV V3)
- Nachweis über eingetragene Umbauten, falls vorhanden
- Bedienungsanleitungen und Wartungsnachweise der Geräte
Ohne gültige Gasprüfung kein Betrieb. Fehlt die Bescheinigung, rechne mit 200 bis 400 Euro für die Prüfung – und mit der Möglichkeit, dass Nacharbeiten nötig werden. Verhandle das in den Preis hinein oder lass dir die Prüfung vor der Übergabe zusichern.
Wo du kaufst
Händler und Ausbauer bieten Gewährleistung, sind aber teurer. Bei Privatverkäufern ist die Gewährleistung üblicherweise ausgeschlossen – dafür stimmt der Preis eher. Für beides gilt: Besichtige persönlich, lass den Motor kalt starten und die Küche im Betrieb laufen.
Und der Klassiker, der immer noch funktioniert: Wer Vorkasse ohne Besichtigung verlangt, ein „Treuhandkonto“ vorschlägt oder das Fahrzeug angeblich im Ausland stehen hat, will dein Geld und nicht verkaufen.