Ein Foodtruck fährt über Grenzen, die Vorschriften nicht. Wer in Konstanz kauft und in
Kreuzlingen betreibt, wechselt nicht nur die Währung, sondern das ganze Regelwerk.
Diese Seite stellt die Unterschiede nebeneinander – als Ausgangspunkt für die richtige
Frage an der richtigen Stelle.
Zwei Rechtsräume, nicht drei. Deutschland und Österreich folgen
demselben EU-Rahmen – Lebensmittelrecht, Führerscheinklassen und Verpackungsvorgaben
sind dort weitgehend deckungsgleich. Die Schweiz hat ein eigenes, in der Sache oft
ähnliches System. Die grössten Brüche verlaufen zwischen EU und Schweiz,
die feinsten zwischen Deutschland und Österreich.
Der Einstieg: was du zuerst brauchst
DE
Deutschland
Gewerbeanmeldung beim Gewerbeamt.
Formlos, meist sofort erledigt, 20 bis 60 €.
Kein Befähigungsnachweis nötig.
AT
Österreich
Gewerbeanmeldung bei der Bezirksverwaltungsbehörde.
Das Gastgewerbe ist reglementiert (§ 111 GewO) –
Befähigungsnachweis erforderlich.
CH
Schweiz
Keine Gewerbeanmeldung.
Anmeldung als selbstständig Erwerbender bei der AHV-Ausgleichskasse.
Handelsregister ab 100.000 CHF Umsatz.
Das ist der grösste Unterschied überhaupt: In Deutschland kann jeder ein
Gastgewerbe anmelden. In Österreich braucht es einen Nachweis – Lehrabschluss,
Befähigungsprüfung oder mehrere Jahre fachliche Tätigkeit.
Verkauf an wechselnden Standorten
DE
Deutschland
Reisegewerbekarte nach § 55 GewO.
200 bis 700 €, vier bis acht Wochen Bearbeitung.
AT
Österreich
Gewerbe im Umherziehen nach § 53 GewO,
als Zusatz zur Gewerbeberechtigung.
CH
Schweiz
Kantonal geregelt.
Gastgewerbe- oder Wanderhandelsbewilligung, je nach Kanton.
Wer über Kantonsgrenzen fährt, braucht unter Umständen mehrere.
Die Reisegewerbekarte dauert oft länger als der Umbau des Trucks. Früh
beantragen – ohne sie ist der Verkauf eine Ordnungswidrigkeit.
Steuern
Umsatzsteuer und Kleinunternehmer
DE
Deutschland
19 % normal, 7 % ermässigt.
Kleinunternehmer bis 25.000 € Vorjahresumsatz
und voraussichtlich 100.000 € im laufenden Jahr.
AT
Österreich
20 % normal, 10 % ermässigt.
Kleinunternehmer bis 55.000 € Jahresumsatz.
CH
Schweiz
8,1 % normal, 2,6 % auf Lebensmittel zum Mitnehmen.
Steuerpflicht erst ab 100.000 CHF Umsatz.
Die Schweiz unterscheidet nach Verzehrort: Essen vor Ort ist eine
Gastgewerbeleistung mit 8,1 %, dasselbe Essen zum Mitnehmen kostet 2,6 %. Wer beides
anbietet, muss an der Kasse trennen.
Kleinunternehmer ist für Foodtrucks meist die schlechtere Wahl.
Wer einen Truck für 45.000 Euro kauft, zahlt darauf rund 7.200 Euro Umsatzsteuer.
Als Regelbesteuerter holt er sie zurück – als Kleinunternehmer nicht. In Deutschland
bindet die Entscheidung fünf Jahre.
Sozialversicherung
Für dich als Selbstständiger
DE
Deutschland
Krankenkasse frei wählbar, Mindestbeitrag rund 250 € im Monat.
Unfallversicherung über die BGN – für dich freiwillig, für
Mitarbeiter Pflicht.
AT
Österreich
SVS, Pflichtmitgliedschaft.
Unfallversicherung über die AUVA.
Dazu WKO-Pflichtmitgliedschaft mit Grundumlage.
CH
Schweiz
AHV/IV/EO über die Ausgleichskasse, Beitrag nach Einkommen.
Krankenversicherung ist Privatsache und ohnehin Pflicht.
Unfallversicherung über die SUVA.
In Österreich kommt die Kammermitgliedschaft dazu – sie ist nicht freiwillig
und fällt auch im ersten Jahr an.
Kasse und Belege
DE
Deutschland
TSE-Pflicht für jede elektronische Kasse.
Belegausgabepflicht für jeden Verkauf.
Meldepflicht ans Finanzamt.
AT
Österreich
Registrierkassenpflicht ab 15.000 € Umsatz, davon 7.500 € bar.
Signaturkarte als Manipulationsschutz.
Belegerteilungspflicht ab dem ersten Euro.
CH
Schweiz
Keine Kassenpflicht und keine vorgeschriebene Technik.
Aufzeichnungen müssen nachvollziehbar sein, die Form ist frei.
Hier liegen die Länder am weitesten auseinander. Wer grenzüberschreitend
arbeitet, richtet sich sinnvollerweise nach der strengsten Vorgabe – eine
TSE-fähige Kasse erfüllt alle drei.
Hygiene und Lebensmittelrecht
DE
Deutschland
EU-Verordnung 852/2004 und LMHV.
Belehrung nach § 43 IfSG vor Arbeitsbeginn, 20 bis 40 €.
AT
Österreich
Dieselbe EU-Verordnung, dazu das LMSVG.
Statt der Belehrung eine Hygieneschulung.
CH
Schweiz
Eigenes Recht: Lebensmittelgesetz und LGV.
Selbstkontrollkonzept ausdrücklich vorgeschrieben.
Ein HACCP-Konzept verlangen alle drei. Wer es einmal sauber aufsetzt, kommt
damit überall durch.
Technik
DE
Deutschland
DVGW G 607.
Alle zwei Jahre, bei gewerblicher Nutzung jährlich. 100 bis 180 €.
AT
Österreich
ÖVGW-Richtlinien, Prüfung durch befugte Fachbetriebe.
Vergleichbare Intervalle.
CH
Schweiz
SVGW und EKAS-Richtlinie für Flüssiggas.
Dazu kantonale Auflagen bei Veranstaltungen.
Eine deutsche G-607-Bescheinigung wird in Österreich und der Schweiz nicht
automatisch anerkannt. Vor einem grenzüberschreitenden Einsatz beim Veranstalter
klären.
DE
Deutschland
EU-Klassen. B96 nach Schulung ohne Prüfung, Zug bis 4.250 kg.
C1 befristet mit Nachuntersuchung.
AT
Österreich
Dieselben EU-Klassen, auch Code 96.
Die Berechtigung ist identisch.
CH
Schweiz
Eigene Systematik. B bis 3.500 kg, BE für Anhänger,
C1 bis 7.500 kg. Kein Code 96 – stattdessen BE.
Deutschland und Österreich erkennen sich gegenseitig an. Schweizer Ausweise
gelten in der EU, die Klassen heissen aber anders.
Verpackung
DE
Deutschland
Mehrwegangebotspflicht seit 2023 (§ 33 VerpackG).
Ausnahme für kleine Betriebe – dann aber Hinweispflicht auf mitgebrachte Behälter.
Lizenzierung über LUCID.
AT
Österreich
Keine allgemeine Mehrwegpflicht für Speisen.
Sammel- und Verwertungssystem-Beteiligung.
CH
Schweiz
Bundesweit keine Pflicht.
Recyclinggebühr ist im Einkaufspreis enthalten.
Auch ohne Gesetz entscheidet oft der Veranstalter – und der ist in Österreich
und der Schweiz häufig strenger als der deutsche Gesetzgeber.
Personal
Anmeldung und Untergrenzen
DE
Deutschland
Sofortmeldung vor Arbeitsbeginn, im Gastgewerbe zwingend.
Gesetzlicher Mindestlohn, bundesweit.
Arbeitszeitaufzeichnung Pflicht.
AT
Österreich
ELDA-Anmeldung bei der ÖGK vor Arbeitsantritt.
Kein gesetzlicher Mindestlohn, aber verbindlicher
Kollektivvertrag Gastgewerbe.
CH
Schweiz
Anmeldung bei Ausgleichskasse und Unfallversicherung.
Kein nationaler Mindestlohn, aber L-GAV Gastgewerbe
und teils kantonale Untergrenzen.
In allen drei Ländern gilt: erst anmelden, dann arbeiten lassen. Die
Reihenfolge ist der Kern der Vorschrift – und was der Zoll zuerst prüft.
Aufbewahrung
Wie lange Unterlagen bleiben müssen
DE
Deutschland
10 Jahre für Rechnungen, Kassendaten und Buchführung
(§ 147 AO).
AT
Österreich
7 Jahre für Bücher und Belege.
CH
Schweiz
10 Jahre für Geschäftsbücher und Belege
(Art. 958f OR).
Diese Pflicht geht einem Löschverlangen nach Datenschutzrecht vor – Rechnungen
dürfen nicht gelöscht werden, auch wenn ein Kunde es verlangt.
Kauf über die Grenze
Der Punkt, an dem es für Käufer konkret wird: Das passende Fahrzeug steht oft im
Nachbarland.
DE
Deutschland
Aus Österreich: innergemeinschaftlicher Erwerb.
Gewerbliche Käufer versteuern im eigenen Land, Private im Kaufland.
AT
Österreich
Aus Deutschland: dasselbe Verfahren.
Zusätzlich prüfen, ob NoVA anfällt.
CH
Schweiz
Aus der EU: Verzollung nötig.
Einfuhrsteuer 8,1 % auf Kaufpreis und Transport, dazu Zollabgaben
und die Kosten der Verzollung.
Die Schweizer Einfuhr macht einen gebrauchten Truck schnell zehn Prozent
teurer. Wer in Konstanz kauft und in Kreuzlingen betreibt, sollte das vor der
Besichtigung durchrechnen.
Die Zulassung ist der grössere Aufwand als der Zoll. Ein Fahrzeug
aus dem Ausland braucht im Zielland eine Einzelgenehmigung oder eine
Übereinstimmungsbescheinigung. Bei einem Serienfahrzeug ist das Routine – bei einem
umgebauten Foodtruck kann eine Begutachtung nötig werden, in Deutschland nach
§ 21 StVZO, in der Schweiz über das Strassenverkehrsamt.
Was der Start kostet
Nur die Formalitäten, ohne Fahrzeug und Ausstattung:
| Posten |
Deutschland |
Österreich |
Schweiz |
| Gewerbeanmeldung |
20 – 60 € |
ca. 90 € |
entfällt |
| Befähigungsnachweis |
entfällt |
Prüfung ab ca. 300 € |
kantonal, teils Kurs |
| Reisegewerbe / Bewilligung |
200 – 700 € |
im Gewerbe enthalten |
100 – 800 CHF je Kanton |
| Hygieneschulung |
20 – 40 € |
30 – 80 € |
im Konzept enthalten |
| Gasprüfung |
100 – 180 € |
120 – 200 € |
150 – 250 CHF |
| Kasse mit Sicherung |
TSE ab 50 € |
Signatur ab 100 € |
keine Pflicht |
Der grösste Kostenblock steht nicht in dieser Tabelle. Er heisst
Zeit: Die Reisegewerbekarte braucht Wochen, der österreichische Befähigungsnachweis
Monate, eine kantonale Bewilligung ist Verhandlungssache. Wer im Frühjahr starten
will, fängt im Januar an.
Wenn du in mehreren Ländern arbeitest
Ein Truck aus Lindau, der in Bregenz und St. Gallen steht, ist kein Sonderfall – am
Bodensee ist es der Normalfall. Drei Punkte, die dann gelten:
- Die Gewerbeberechtigung gilt im Ausstellungsland. Für regelmässige
Tätigkeit im Nachbarland brauchst du dort eine eigene Grundlage – innerhalb der EU
über die Dienstleistungsfreiheit mit Anzeige, in die Schweiz über das
Meldeverfahren.
- Umsatzsteuer folgt dem Ort der Leistung. Wer in Österreich
verkauft, führt österreichische Umsatzsteuer ab – unabhängig davon, wo der Betrieb
sitzt.
- Prüfbescheinigungen werden nicht automatisch anerkannt. Das gilt
besonders für die Gasanlage.
Das klingt nach viel und ist es auch. Wer regelmässig grenzüberschreitend arbeitet,
sollte das einmal mit einem Steuerberater durchgehen, der beide Seiten kennt – am
Bodensee, in Salzburg und in Basel gibt es Kanzleien, die genau darauf spezialisiert
sind.
Keine Rechtsberatung.
Dieser Beitrag gibt den Stand nach bestem Wissen wieder und ersetzt keine
Auskunft von Behörde, Anwalt oder Steuerberater. Vieles wird kommunal geregelt
und unterscheidet sich von Stadt zu Stadt – frag im Zweifel beim zuständigen
Amt nach, bevor du dich festlegst.
Zu den Länderangaben.
Die Vergleiche für Deutschland, Österreich und die Schweiz nennen den
Rahmen, nicht den Einzelfall. Beträge und Grenzwerte ändern sich; in der
Schweiz regelt zudem jeder Kanton vieles eigenständig. Nimm die Angaben als
Ausgangspunkt für die richtige Frage an der richtigen Stelle.
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